UgandaAktuelles
Ein Bericht zum 25jährigen Jubiläum "Pakete für Uganda" findest Du hier.
Rugarama Hospital Newsletter
Hier gibt es die Newsletter der Klinik in englischer Sprache als Download.
Newsletter 01/2009 (PDF, 911 KB) Newsletter 10/2008 (PDF, 1069 KB) Newsletter 07/2008 (PDF, 924 KB) Bericht aus der Zeitschrift "Leuchtfeuer" vom Dezember 2008 (PDF, 637 KB) Rundmail März 2008 der Familie Menzel - Was seitdem passiert ist...
Ebola...
In den letzten Monaten gab es ein paar sehr hoch gespielte Geschichten, an denen wir unsere Zeit besser messen konnten, wie z.B. die Angst vor Ebola. Bis kurz vor Weihnachten verbreitete sich plötzlich die Befürchtung, dass sich das gefährliche Ebola-Virus, das in einer Region in Nord-West-Uganda in wenigen Wochen fast 40 Tote gefordert hatte, durch die Reisewelle um Weihnachten herum landesweit ausbreiten würde. In unserem Krankenhaus wurden Notfallpläne durchgespielt und die Angst vor Ebola, das zuletzt vor 7 Jahren in Uganda gewütet hatte, ging bei allen Mitarbeitern deutlich um. In Kabale benutzten die Händler und Bankangestellten vor Angst, dass das Virus über Geldscheine übertragen werden könnte, Gummihandschuhe. Der Präsident Ugandas empfahl offiziell bei Begrüßungen nicht die Hände zu schütteln, was ungefähr so ist, als wenn man den Französinnen verbieten würde sich Wangenküsschen zu geben. Nachdem dem Herrn Präsidenten jedoch die Panik darauf aber wohl zu weit ging, verschwand das Thema von Heute auf Morgen schlagartig aus den Medien. Es gab dann noch zwei dringende Verdachtsfälle in Kabale, einer davon in unserem eigenen Hospital, doch wir wurden (bislang) vor weiterem Unheil bewahrt und die Sorgen im Dezember wurden von anderen Dingen abgelöst.Kenia... Ein weiteres großes Thema war Ende Dezember die Präsidentenwahl in Kenia und der Beginn der „Kenya-crisis“ im Januar. Uganda ist wie Bolivien oder die Schweiz ein „Land-locked Country“, d.h. es hat keinen eigenen Zugang zum Meer und seine Schlagader zum Weltmarkt kommt hauptsächlich vom Hafen Mombasa im Osten Kenias, denn nach Norden und Westen hat es viel ungemütlichere Nachbarn wie den Kongo und den Sudan. Die Probleme Kenias haben Uganda dann dementsprechend kalt erwischt. Und auch wenn Uganda bislang von den ethnischen Konflikten Kenias verschont geblieben ist, kommen seit Wochen nun kaum mehr Güter aus dem ostafrikanischen Wirtschaftswunderland Kenia oder vom Weltmarkt an. Immer wieder wird auch unser Treibstoff knapp und wir müssen unser Auto stehen lassen. Strom ist inzwischen zur Rarität in Kabale geworden und ohne elektrische Pumpen bekommen wir schon seit Wochen kaum noch Wasser aus der Leitung. Ein Glück, dass es immer mal wieder regnet. Aber wir haben es dennoch hier auf dem Land zwischen Kuhweiden und Kartoffeläckern viel besser als die Leute in der Hauptstadt Kampala, die von der Versorgung durch große Supermärkte abhängen. Leider ist uns aber auch so manches lieb gewonnene Luxusgut wie Nudeln, Nutella, Kaffee, Cornflakes und Shampoo entweder ganz aus den Regalen unseres „Tante-Emma-Ladens“ entwendet worden oder kostet jetzt das Doppelte - denn wie man als guter Volkswirt noch weiß, Nachfrage und Angebot bestimmen den Preis. Abzuwarten, ob es mit dem neuen Vertrag zwischen Kibaki und Odinga jetzt besser werden wird. Sicherheit... Das dritte große Erlebnis kam dann Ende Januar wieder schlagartig - da hat innerhalb von wenigen Stunden die Erde und unser Sicherheitsgefühl hier in Kabale ganz mächtig gewackelt. Die Erdbeben kamen vom nahe gelegenen Kongo und Norden Ruandas, hatten hier bis auf kurzes Unwohlsein aber nur wenig ernsthafte Auswirkungen. Jedoch ungefähr zur gleichen Zeit wurde die Sicherheitslage auf unserem Rugarama Hügel deutlich schlechter und Banden zogen ihre Kreise. Einbrecher gingen jede Nacht herum und unser Nachtwächter wollte ein Gewehr von uns haben, doch wir haben uns auf Pfeil und Bogen „geeinigt“. Die Nächte waren aufregend. Unsere Nachbarn und Freunde, das Zahnarzt-Ehepaar aus England, wurde nur kurz den Hügel von uns runter überfallen und ihre lammfromme Labrador-Hündin qualvoll vergiftet. Auch andere Hunde in der Nachbarschaft wurden entweder vergiftet oder mit der Machete verletzt und unsere zwei eigenen scheinen fast die einzigen zu sein, die verschont wurden. Jetzt geht es wieder besser. Familie... Bei allen Natur- und sonstigen Katastrophen geht es uns als Familie weiterhin sehr gut. Wir sind alle gesund! Und dass die Zeit der letzten Monate schnell vergangen ist, sehen wir auch an unseren Kindern - in diesem Fall vor allem an Ronia. Sie läuft seit kurz vor Weihnachten erst wie ein kleiner Pinguin und mittlerweile wie eine große Rennmaus durch die Gegend und hat sich in den letzten Wochen vor allem aufs Klettern ohne Netz und Seil spezialisiert; Stühle und Sessel sind da keine ernst zu nehmenden Ziele mehr, eher schon Fensterbänke und Tische und Felix Klettergerüst sowieso. Felix großer Traum von „Schule“ ist endlich wahr geworden - Britta und eine amerikanische Freundin organisieren zumindest zwei mal pro Woche abwechselnd eine „pre-school“ für 4-6 gleichaltrige Kinder: Es gibt Bibelgeschichten, Basteln, Zahlen und Buchstaben, die Natur entdecken, Singen und was ihnen gerade so einfällt. Und das gefällt den „kids“ so gut, dass sie es sogar der Spielgruppe am Nachmittag vorziehen. Felix schlägt sich mit seinem Englisch dabei ganz beachtlich! Rugarama Krankenhaus... Wir, Christoph und Britta, machen zwar keine körperlichen Sprünge mehr, können aber von ein paar Fortschritten in den Projekten Krankenhaus und Alphabetisierung berichten. Der schon lange angekündigte Bau der neuen Kinderstation und Ambulanz für körperlich behinderte Kinder wurde endlich mit dem neuen Jahr begonnen. Spannend, wie man hier als weißer Arzt praktisch alles, auch eine Bauleitung machen darf, obwohl man mit manchen Arbeiten am Fundament schon in deutscher Sprache auf dem Schlauch gestanden hätte. Im Moment verzögern zwar Lieferprobleme der Baumaterialien - die oft über Kenia kommen - und Querelen mit gewalttätigen Landbesetzern - die für ihren Bananenacker kämpfen - den Fortschritt der Bauarbeiten, aber man lernt in diesem Land ja Geduld zu haben. Die Geduld und vielen Gespräche haben sich an anderer Stelle nun endlich ausgezahlt, denn das Rugarama Health Centre wurde im Januar nun endlich offiziell vom Ministry of Health zum „Hospital“ aufgewertet und anerkannt. Wir werden wohl aber noch ein bisschen mehr Geduld brauchen, um die uns damit zustehenden staatlichen Gelder fließen zu sehen. Der dritte große Schritt für das Krankenhaus war schon im November mit der Einstellung eines zweiten voll qualifizierten ugandischen Arztes gekommen. Hat man die jahrelange Suche nach Ärzten, die bereit sind hier in der Provinz zu arbeiten, einigermaßen miterlebt, ist das wirklich fast ein kleines Wunder. Alphabetisierungsprogramm... Für das von Britta initiierte Erwachsenen-Alphabetisierungsvorhaben liegen nun die Abschluss-Urkunden für rund 240 erfolgreiche Absolventen auf dem Tisch. Sie haben in einem Jahr Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt und sich viel nützliches und praktisches Wissen über Hygiene, Gesundheit, etc. angeeignet. Die Kurse wurden von insgesamt fast 400 Lernenden besucht und mehr als 300 haben an den Prüfungen teilgenommen. Das Interesse an weiterem Lernen ist bei den aus z.T. sehr, sehr einfachen Verhältnissen stammenden Dorfbewohnern ungebrochen groß. Rund 300 „neue“ Analphabeten haben sich für den Basiskurs angemeldet und die stolzen Absolventen wollen gleich mit der nächsten Stufe weiter machen. Wovon Britta aber mindestens genauso gerührt war, ist die Resonanz auf das Angebot einer unserer Spender, den erfolgreichen Absolventen Bibeln in lokaler Sprache zum halben Preis anzubieten. Fast alle 240 Absolventen haben ihren halben Anteil mit viel Mühe aufgebracht, was besonders zu dieser Jahreszeit (nach Weihnachten, Schulgebühren und Saatkauf) nicht leicht ist auf dem Dorf. In den kommenden Wochen wird Britta wieder einige der weit verstreuten Dörfer besuchen und die Abschlusszeugnisse und Bibeln an die Kursteilnehmer verteilen. Das neu erworbene Lesen, Rechnen und Schreiben, was für uns in Deutschland so selbstverständlich klingen mag, kann hier wirklich Leben verändern und bringt viel Hoffnung für die Menschen. Wir hoffen, dass diese Initiative irgendwie fortgeführt werden kann. Fasten und Abschiednehmen... Aschermittwoch ist schon lange vorbei und damit hat offiziell bis Ostern die „Fastenzeit“ begonnen. Vor ein paar Wochen, als wir unser letztes Stück deutsche Schokolade vertilgt haben, stellten wir reumutig fest, dass ja jetzt „Fastenzeit“ sei. Wir haben daraufhin im Geiste einige unserer Möglichkeiten durchgespielt, in Kabale auf Liebgewonnenes zu verzichten, und das Ergebnis hat uns zum Schmunzeln gebracht: Schokolade - gerade alle leer gefuttert; sonstige Süßigkeiten - gibt es nicht, mal abgesehen von ein paar selbst gebackenen Keksen; Fleisch - essen dank der entsetzlichen Qualität auf dem lokalen Markt nur unsere Hunde; Wein - sowieso keiner da und für Christen in Uganda tabu; Zigaretten - rauchen wir nicht; Fernsehen - haben wir nicht und bekämen in Kabale sowieso nur einen Kanal; Kino - hmmm, zu schön um wahr zu sein; und danach wurde es schon dünn mit den Einfällen, wie wir aktiv fasten könnten. Wir schreiben das aber nicht, um die Zusendung von Oster-Päckchen an uns auf ein neues Hoch treiben - denn manche davon mögen uns nicht mehr erreichen. Wir haben geschmunzelt bei dem Gedanken, dass sich unsere Versorgungslage wieder bald ganz von selbst bessern wird. Unser Vertag mit CFI und der Diözese Kigezi wird im Mai nach drei Jahren Mitarbeit in der ugandischen Bergprovinz zu Ende gehen, wir werden wieder in das Konsum-Wunderland Deutschland zurückkehren und uns in voller Genüge an Erdbeeren, Spargel und Italiener-Eis überfuttern können. Aber durch obiges Gedankenspiel haben wir festgestellt, dass man ganz schön lange „fasten“ kann, ohne es eigentlich zu merken. Und wie absurd muss unsere gängige Form des „Fastens“ für die meisten der Menschen hier klingen, wenn sie hören würden, das wir damit das Verzichten auf Schokolade meinen. Das richtige Fasten muss dann wohl mehr sein als einfach ein paar Dinge nicht zu essen oder nicht tun zu können. „Fasting is Feasting“ - richtiges Fasten ist Gott feiern, sich von Unnötigem befreien, um das Wesentliche wieder wahrzunehmen, wie z.B. auf Gott zu hören - haben wir uns jedenfalls weiter vorgenommen. Mercy... Christoph hat eine altbekannte Patientin wieder getroffen, die Mercy heißt, und an ihrer Geschichte mal wieder viel gelernt, dass es in seiner Arbeit hier nicht nur darum geht Medizin zu machen. Es gibt viele Mercys in Kabale und Mercy heißt übersetzt Gnade. Mercy war vor 2 Jahren, als Christoph sie das erste Mal sah, gerade 17 Jahre alt und lebte eine Stunde entfernt von Kabale auf einem abgelegenen Dorf. Mercy hatte 5 von 9 Geschwistern verloren und der Vater war nach einem Streit mit dem Medizinmann von den Männern des Dorfes gemeinsam umgebracht worden. Es gab und gibt im Kabale District leider noch viel Lynchjustiz. Dann hatte Mercy ein frühgeborenes Baby zur Welt gebracht. Eigentlich hatte Mercy gar kein Kind haben wollen. Ihre Mutter hatte sie nicht mehr ernähren können, Mercy hatte keinen Job und die Schule war schon seit Jahren nicht mehr bezahlt worden. Da hatte sich Mercy für 5000 Ugandashilling, was 2,50 Euro sind, eine Nacht an einen alten Nachbarn verkauft, der ihr eigener Großvater hätte sein können. Sie hatte lange nichts von ihrer Schwangerschaft gewusst und schon gar nicht von HIV. All das hatten ihr nachher die Krankenschwestern im kleinen Missionshospital erzählt. Die Ärzte und Schwestern hatten auch für sie gebetet, was noch nicht viele Menschen in ihrem Leben für sie getan hatten. Dann musste Mercy 2 Monate im Krankenhaus lang und hart gemeinsam mit den Schwestern darum ringen, dass ihr Baby von 800 auf 2000 Gramm anwuchs. Es war nicht nur für sie ein Wunder! Doch die Familie hatte Mercy und das Baby inzwischen verstoßen, weil der Nachbar erzählte, sie hätte ihn verführt. Außerdem galt ein Kind unter 1 kg Geburtsgewicht als behindert und damit nicht lebenswürdig. Ihre Krankenhaus-rechnung hatte sowieso keiner bezahlen wollen. Mercy wurde gesagt, dass durch eine Spende aus einem fernen Land schon alle Kosten im Krankenhaus beglichen worden seien und sie mit dem Baby einfach nach Hause gehen durfte. Nach Hause, wo war das? Mercy hatte ihre Tochter „Miracle“ genannt, was Wunder heißt. Jeden Morgen hatte sie im Krankenhaus in der 8 Uhr Andacht dem Singen, der Bibellese und Geschichten von anderen Wundern im Leben von Menschen gehört, die ähnlich verzweifelt waren wie sie. Man hatte ihr gesagt, dass es noch nicht feststünde, ob auch Miracle mit HIV infiziert wurde, doch angeboten umsonst eine Nachsorge durchzuführen. Sollten durch die Frühgeburt körperliche Schäden aufgetreten sein, werde in naher Zukunft eine neue Abteilung für behinderte Kinder eröffnet, die sie dann mit Miracle aufsuchen sollte. Mercy hatte noch nicht gewusst wie ihre Zukunft und die ihrer Tochter Miracle aussehen sollte. Ihr Leben als Analphabetin, ohne Familie, mit unehelichem Kind, ohne Job und mit AIDS weiter zu leben, hatte Mercy verzweifeln lassen. Sollte Miracle krank und umsonst groß geworden sein? Wenn sie jetzt schon wusste, dass sie Miracle nicht ernähren konnte, war es da ein Trost, wenn Christoph ihr sagte, im Hospital werde es immer umsonst Eier, Milch und Vitamine für mangelernährte Kinder geben. Alles Medizinische, was ihr vom Arzt zur Behandlung gesagt wurde, waren leere Worte geblieben. Was Mercy aber dagegen den anderen Morgen in der Andacht zum Leben der „Kinder Gottes“ hörte, hatte ihr Hoffnung gegeben. Die letzten Monate hatte Mercy immer nur den Tod gesehen, der immer so gegenwärtig in den Bergdörfern war, doch jetzt glaubte sie wieder mehr an das Leben. Später vermisste sie diese tägliche Bibellese und versuchte sogar einen Alphabetisierungskurs zu belegen, nur um selber weiter in der Bibel lesen zu können. Oft kommen junge Frauen mit ähnlicher Situation in unser Krankenhaus. Mercy war danach nicht wieder so schnell für weitere Tabletten zurückgekehrt - bis vor ein paar Wochen Miracle mit schweren Durchfällen erneut eingeliefert wurde. Und zwei Jahre nach ihrer Geburt ist Miracle dann im Nachbarraum zu den Brutkästen, mit denen sie einst ins Leben geholt worden war, entweder an Mangelernährung oder den Folgen von AIDS verstorben. Christoph, der damals so viel von Tabletten erzählt hatte, konnte dieses Mal gar nicht mehr so viel sagen oder Medizin machen. Dafür wurde mit Mercy für Miracle gebetet. Jesus ist der beste Arzt, hat dann Mercy gesagt, und der Tod ist nicht das Ende, weil auf Karfreitag doch Ostern folgt. Mercy heißt „Gnade“ und Miracle „Wunder“, und daran, sagte Mercy noch, würde sie nie aufhören zu glauben. Diese Hoffnung, die offensichtlich nicht vom Erfolg der Medizin, sondern vom Glauben an Gott herrührte, und die Mercy in einer nach menschlichem Ermessen zum Verzweifeln bringenden Situation ohne Happy-End aussprach, diese Hoffnung hat Christoph sehr beeindruckt. Wie so oft in den letzten Jahren stand man als Arzt hilflos dem Menschen gegenüber, aber Medizin ist halt nicht alles hier. „Nirgendwo in Afrika-Irgendwo in Deutschland“ So lautete der Titel einer Romanverfilmung die vor ein paar Jahren im deutschen Kino zu sehen war. Eine jüdische Familie flieht vor dem dritten Reich aufs Land nach Kenia und für die Tochter wird diese Wahlheimat zum „wahren Zuhause“. Als die Familie später in das bombenzerstörte Frankfurt am Main zurückkehrt, ist der Kulturschock riesig und das Gefühl, das dort die wahre Heimat sein soll, stellt sich nur sehr schleppend ein. „Deutschland“ ist für diese Familie ein abstrakter Begriff geworden, und genauso geht es auch Felix, der immer mal wieder durcheinander kommt was denn größer sei, Deutschland oder Frankfurt. „Irgendwo“hin werden wir bald nach Deutschland zurückkehren - und das schon Ende April - aber ob es noch mal langfristig in Frankfurt sein wird, ist zur Zeit noch ungewiss. Wir haben in der Tat noch wenig darüber nachgedacht, wie und wo es mit uns weitergehen kann. Blick zurück und Blick nach vorn... Es fällt nicht leicht auszuwählen, was unser Leben in den letzten 3 Jahren Uganda wirklich ausgemacht hat, denn im Prinzip ist hier so gut wie alles anders als es noch in Deutschland gewesen war. Der Unterschied der Kulturen ist enorm. Und der Lebensstandard ist absolut nicht vergleichbar. In der Tat fällt einem gerade hier in Uganda noch mehr über Deutschland auf, wie viel wir als selbstverständlich vorausgesetzt haben und wie leicht wir gemeckert haben, wenn mal was nicht da war (z.B. kein volles Aldiregal mehr). Hier ist Armut überall um uns herum zu fassen und der Tod so gegenwärtig wie nie zuvor für uns im Leben. Wir haben von Anderen gelernt, wie wenig man nur zum Leben und Überleben braucht, und dass dieses Leben schnell, grob und „sinnlos“ zuende gehen kann, oftmals durch rohe Gewalt (einschließlich Lynchjustiz) oder verschleppte Krankheiten, die einfach zu behandeln gewesen wären. Unser Leben dieser anderen Kultur der Bakiga anzupassen, war und ist bis zuletzt eine große Herausforderung, und an vielen Stellen haben wir darin auch enorm versagt, weil wir z.B. einfach zu müde waren, noch zur nächsten Beerdigung zu gehen, was als größte Ehrerbietung angesehen wird, oder nicht darauf verzichten konnten, zu deutsch zu sein und Dinge 300%ig zu erledigen. Unsere Jobs haben uns müde gemacht und wir hätten vielleicht an der einen oder anderen Stelle lieber weniger gearbeitet, doch dafür mehr Zeit mit den Menschen verbringen sollen. Christoph wird froh sein, wenn er mal nicht mehr 24 Stunden verantwortlich für alle Gelder und inzwischen 90 Mitarbeiter des Krankenhauses zu sein braucht. Die Kaiserschnitte im neuen Kreissaal, die er bei Freunden in Ruanda geübt hat, wird er im kommenden Sommer nicht mehr mit ausführen, was vielleicht auch besser so ist. Gerade wenn es ums Thema Geld ging, fiel es uns in Kabale sehr schwer, unsere Liebe für die Ugander zu bewahren, denn so oft sind wir betrogen und belogen worden, wenn wir es verliehen haben. Doch würden wir selbst es anders machen, lebten wir in bitterer Armut und begegneten einem von 20 reichen Weißen im Umkreis von mehreren hundert Quadratkilometern? Wir hatten eine (erlebnis)reiche und gute Zeit in Kabale, weil wir viel über andere Menschen, uns selbst und über Gott gelernt haben. Wir sind wesentlich dankbarer für Gesundheit geworden und haben lernen müssen, mit wesentlich weniger Sicherheiten und Versicherungen zu leben, z.B. als wir die Schlangenhaut hinter unserm Haus gefunden haben oder keine Hilfe bei einem schweren Erstickungsanfall eines kleinen europäischen Kindes auf einer einsamen Insel im Bergsee rufen konnten etc pp., was uns im Vertrauen auf Gott ihm ein großes Stück näher gebracht hat. Wir sind Gott unendlich dankbar für unsere beiden gesunden und lustigen Kinder, die im ewigen Sommer am Äquator spielen durften während wir Eltern uns nach Schnee gesehnt haben. Und jetzt freuen wir uns alle Vier auf einen neuen Lebensabschnitt, auch wenn wir noch nicht die mindeste Ahnung haben, was kommen mag. Aber unser Aussendungsvers aus Psalm 119,135, den wir schon im letzten Brief zitiert haben, langt allemal auch für die Rückreise: „Lass mich erleben, wie gut du es mit mir meinst, und zeige mir, was ich nach deinem Willen tun soll.“ An dieser Stelle möchten wir Euch Allen nochmals herzlich danken für die vielen lieben Emails, Briefe und Pakete, die wir im Laufe der Jahre voll mit Geschichten und Überraschungen aus der Heimat erhalten haben, und nicht zuletzt sagen wir ebenso ein riesiges Dankeschön für die vielen Geldspenden, die so manches Projekt hier zum Laufen gebracht haben. Ein besonders liebes Danke sagen wir unserer Heimatgemeinde Nord-Ost in Frankfurt und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer uns aussendenden Organisation Christliche Fachkräfte International (CFI), die uns immer und ermutigend auch in allem Hadern super unterstützt haben, nicht zuletzt im Gebet für uns! Ihre Arbeit bleibt sicher auch ohne uns weiter unterstützenswert und Ihr könnt fortwährend unter www.cfi.info über CFI und viele andere weltweit verstreute Mitarbeiter lesen, oder aber am Himmelfahrtstag in Stuttgart mit uns bei einem Tag der Offenen Tür bei CFI dabei sein. Ganz zum Schluss nun senden wir Euch Allen noch ein weiteres anerkennendes Danke für Eure Neugier, unsere langen und oft nur um uns selbst kreisenden Email-Rundbriefe immer geduldig bis zum Ende gelesen zu haben. Dieser heute war besonders lang, aber es wird der letzte bleiben. Wir freuen uns sehr darauf, Euch wiederzusehen! Muzungu how are you? We are fine! |

In den letzten Monaten gab es ein paar sehr hoch gespielte Geschichten, an denen wir unsere Zeit besser messen konnten, wie z.B. die Angst vor Ebola. Bis kurz vor Weihnachten verbreitete sich plötzlich die Befürchtung, dass sich das gefährliche Ebola-Virus, das in einer Region in Nord-West-Uganda in wenigen Wochen fast 40 Tote gefordert hatte, durch die Reisewelle um Weihnachten herum landesweit ausbreiten würde. In unserem Krankenhaus wurden Notfallpläne durchgespielt und die Angst vor Ebola, das zuletzt vor 7 Jahren in Uganda gewütet hatte, ging bei allen Mitarbeitern deutlich um. In Kabale benutzten die Händler und Bankangestellten vor Angst, dass das Virus über Geldscheine übertragen werden könnte, Gummihandschuhe. Der Präsident Ugandas empfahl offiziell bei Begrüßungen nicht die Hände zu schütteln, was ungefähr so ist, als wenn man den Französinnen verbieten würde sich Wangenküsschen zu geben. Nachdem dem Herrn Präsidenten jedoch die Panik darauf aber wohl zu weit ging, verschwand das Thema von Heute auf Morgen schlagartig aus den Medien. Es gab dann noch zwei dringende Verdachtsfälle in Kabale, einer davon in unserem eigenen Hospital, doch wir wurden (bislang) vor weiterem Unheil bewahrt und die Sorgen im Dezember wurden von anderen Dingen abgelöst.