Seniorentreff

Und wenn es wieder ...

Für Menschen mit Jahrzehnten an Lebenserfahrung ist es oft ein: „Und schon wieder …“.Wie oft haben sie bereits Weihnachten gefeiert. Wie oft haben sie Geburtstage erlebt. Mit jedem Jahr, das man älter wird, relativiert sich die Länge eines einzelnen Jahres. Für ein neunjähriges Kind ist Weihnachten „endlich wieder“; ist es ja auch erst das neunte Mal. Für einen 90-jährigen Menschen ist es ein „schon wieder“, eben das 90. Mal. Denn: Was ist ein Jahr im Verhältnis zu den 90 Jahren? Es ist so viel weniger als für einen Neunjährigen. Gerade jüngst im Senioren-Treff hatte ich die Begegnung mit einer 82-jährige Dame, die sagte: „Ja, auch wir Alten müssen noch umlernen, dazulernen, uns verändern“. WOW! Das hat mich beeindruckt.

Sollte man doch meinen, dass ein 90. Weihnachten eigentlich nichts überraschendes mehr zu bieten hat. Und doch: Genau das meinte die Seniorin mit ihrer Aussage: Leben ist niemals nur in wiederkehrenden Schleifen zu leben. Leben ist andauernd damit verbunden, dass sich etwas wandelt. Leben ist und bleibt Lernen – lebenslanges Lernen eben. Und hier hinein wirken eben auch die Veränderungen, die die Gesellschaft mit sich bringt.

Ein Beispiel: Als ich klein war, kam irgendwann mein Vater mit einem riesigen Kasten nach Hause. Er stellte ihn in ein dafür vorbereitetes Regal. Abends dann, um 20 Uhr, wurde das Gerät angestellt.  Heraus kamen bewegte, schwarz-weiße Bilder. Ein Mann saß dort, hielt einen Zettel in der Hand und redete. Für mich als kleinen Jungen war es total uninteressant. Was sollte ich auch schon mit der „Tagesschau“ anfangen. Danach wurde es besser. Da kam dann ein Film. Unterm Tisch versteckt hoffte ich, dass meine Eltern vergessen würden, dass ich noch nicht im Bett war. Hat nicht immer geklappt. Und irgendwann war dann die „Sendezeit“ auch zu Ende. Erst kam ein Testbild und danach nur noch Schnee und Rauschen. Heute, 40 Jahre später, sind die Bilder bunt, der Ton kommt brillant an mein Ohr. Der Fernseher ist zu einem dünnen Bildschirm zusammengeschrumpft und schmiegt sich flach an die Wand. Programmende gibt es nicht. Im TV bewegen sich immer irgendwelche Bilder – rund um die Uhr. Und das in nur 40 Jahren! Davor hatte es 1959 Jahre seit Christi Geburt gedauert, bis es überhaupt einen Fernseher gab. Und irgendwie sind wir noch immer nicht am Ende. Und: Haben Sie noch immer einen Schwarz-Weiß-Fernseher? Nicht! Sie haben sich aktualisiert. Seh'n Sie, so ist das in unserem Leben, es gibt vielleicht ein „wieder“ – allerdings ist es immer aktuell, anders und neu.

Genauso ist das in einem Leben mit dem Sohn Gottes, dem in der Krippe liegenden Jesus, den wir zu Weihnachten feiern. Dieses Leben ist und bleibt immer aktuell und überraschend anders. Wir sind nie fertig mit Lernen. Und er ist niemals fertig mit uns – egal in welchem Alter man ist. Bei Jesus ist jeder Tag einzigartig – so wie Sie!

Ihr
Thomas Frietsch